Gebote für den Therapieansatz der Neuro-okklusalen Rehabilitation
Von Rafael García del Carrizo San Millán

1. Vorbeugen, vorbeugen, vorbeugen - die erste Pflicht jedes standesgemäßen Odontostomatologen ist es, der Erkrankung des stomatognathen Apparates entgegenzuwirken, jede Abweichung von der gesunden Entwicklung aufmerksam zu verfolgen und dabei die entsprechenden Maßnahmen zur Krankheitsverhütung einzuleiten.


2. Das Hauptziel unseres Therapieansatzes besteht darin zu erreichen, dass der Kauapparat tauglich und leistungsfähig ist mit einer normalen Okklusion, die bilateral balanciert, ausgewogen und funktionstüchtig ist, denn aus der guten Funktion resultiert die Ästhetik.


3. Wir müssen von dem Gedanken Abstand nehmen, dass das Kiefergelenk nur ein Scharnier ist. Es ist das komplexeste Gelenk des Organismus mit drei grundlegenden Bewegungen: Bonwill, Walker und Bennet.


4. Die Hauptursache für das Entstehen von Parodontopathien ist ein Bisstrauma und nicht etwa bakterielle Plaque.


5. Mit der Stillzeit beginnt sich der stomatognathe Apparat zu entwickeln; wenn das Stillen nicht intensiv und dauerhaft praktiziert wird, ist die weitere Entwicklung hinsichtlich Nasenatmung, Muskeltonus und Kieferentwicklung vorbelastet.


6. Es ist wesentlich, schädliche Fehlhaltungen und schlechte Angewohnheiten (Daumenlutschen, Fehlfunktionen von Zunge bzw. Zungenbändchen) abzugewöhnen bzw. Abhilfe zu schaffen und so die Funktion der Kaumuskulatur und von zum Erliegen gekommenen Reizen, der Nasenatmung und der normalen Schluckbewegung usw. wiederherzustellen.


7. Wir müssen schon in den frühesten Lebensphasen schnell und kurz entschlossen handeln. Hier wird der Grundstein gelegt für eine wirksame Vorbeugung gegen Parodontopathien und viele temporomandibuläre Dysfunktionen.


8. Das selektive Schleifen der Milchzähne bildet unseren ersten "Apparat".


9. Unsere Behandlungsmethoden sind biologischer, klinischer, funktionaler Natur und so wenig wie möglich mechanischer Art.


10. Die Apparate halten von selbst. Sie brauchen keine Klammern und wirken durch ihre "Präsenz".


11. Wichtig ist bei jeder Behandlung gemäß der Neuro-okklusalen Rehabilitation eine präzise Diagnose und Prognose. Indem wir eine funktionelle Okklusion erhalten, erzielen wir stabile Ergebnisse und können so auf feste und bewegliche Retentionen verzichten.


12. Ist einmal eine Erkrankung oder Anomalie diagnostiziert, dürfen wir keinesfalls abwarten, nicht einmal, wenn der Zahnwechsel noch bevorsteht. Das Milchgebiss ist der beste Moment, um die Behandlung einer anormalen Entwicklung in Angriff zu nehmen.


13. Wir müssen den Regelkatalog nach Pedro Planas zur Entwicklung des stomatognathen Apparates immer gegenwärtig haben.


14. Die Diagnose der Krankheitsursache und eine funktionelle Okklusion verhindern aufs Nachhaltigste Zahnextraktionen aus orthodontischen Gründen, die unserem Fach zur Schande gereichen.


15. Wir dürfen niemals vergessen, dass wir den Beruf des Mund-Arztes ausüben und als solche sollen wir uns verhalten.

All diese Gebote lassen sich wie folgt zusammenfassen: Stelle die Neuro-okklusale Rehabilitation über alle Dinge und liebe die gesunde Okklusion wie dich selbst.